Beinprothesen
Bestandteile von Beinprothesen
Grundsätzlich besteht jede exoskelettale Prothese der unteren Extremität aus den gleichen Grundbestandteilen. Diese sind:
- Schaftsystem (variiert je nach Versorgungstyp)
- dynamische Passteile (Füße und ggf. Kniegelenke)
- statische Passteile (Adaptionsteile)
Unabhängig von der Ausführung des Schaftes können wir bei der Wahl möglicher Passteile auf alle am Markt agierenden Hersteller zurückgreifen. Welche die für Sie am besten geeigneten Bauteile sind, hängt überwiegend von zwei Aspekten ab:
- von den individuellen physischen Voraussetzungen, Mobilität sowie
- den an die Versorgung gestellten Ansprüchen hinsichtlich Funktionalität und Komfort.
Im persönlichen Beratungsgespräch mit einem unserer fachkompetenten Mitarbeiter können diese Voraussetzungen gemeinsam abgestimmt und erörtert werden. Die Passteile der verschiedenen Hersteller können zum Großteil miteinander kombiniert werden, sodass am Ende eine individuell optimierte prothetische Versorgung steht.
Arten von Versorgungen
Vorfußprothese
Unter dem Begriff Vorfußprothesen subsummieren wir der Einfachheit halber alle Amputationen von der Zehe bis gesamten Knöchelgelenk. Von der genauen Amputationsart (Syme, Pirogoff, ...) hängt ab, mit welchem Prothesentyp sie versorgt werden.
Unterschenkel
Nach einer Unterschenkelamputation - unabhängig der Amputationshöhe - wird ein individueller Schaft angefertigt, der mit einem geeigneten Fuß adaptiert wird. Die Auswahl des Fußes richtet sich dann nach Ihrer jeweiligen Mobilität.
Es gibt auch die Möglichkeit, unterschiedliche Fußsysteme vor Ort zu testen, um Ihnen die Möglichkeit zu geben, sich mit unterschiedlichen Systemen vertraut zu machen.
Knieexartikulation
Die Knieexartikulation ist eine Amputation des gesamten Unterschenkels. Dabei wir der Oberschenkelknochen (Femur) nicht angetastet. Der große Vorteil dieser Amputationsart liegt darin, dass der Kondylus des Femur erhalten bleibt und damit in der Regel voll endbelastbar ist. Dadurch läßt sich der Schaft solcher Systeme flexibler und kürzer gestalten.
Oberschenkelprothesen
Oberschenkelprothesen werden dann eingesetzt, wenn der Oberschenkelknochen (Femur) oberhalb der Kondylen amputiert wurde und damit ein Oberschenkelstumpf vorhanden ist.
Bei Oberschenkelprothesen können unterschiedliche Schaftsysteme eingesetzt werden, die optimal auf den Anwender angepasst werden. Bei der Auswahl der optimalen Passteile bestimmen wir nicht nur unterschiedliche Fuß-, sondern auch unterschiedliche Kniekomponenten.
Die Komponenten werden optimal entsprechend Ihrer Bedürfnisse und Anforderungen gewählt. Bei Bedarf bieten wir auch die Testung von unterschiedlichen Konfiguartionen an. Bei der Auswahl der richtigen Passteile werden von uns die Passteile aller in frage kommenden Lieferanten am Markt berücksichtigt.
Hüftexartikulation
Die Hüftexartikulation ist eine Amputation, bei der der gesamte Oberschenkelknochen (Femur) aus dem Hüftgelenk entfernt wird.
Diese Form der Amputation stellt eine besondere Anforderungen an die orthopädietechnische Versorgung, da die Anbindung der Prothese an den Anwender über einen Beckenkorb geschieht. Dieser Schaft muss einerseits leicht an- und auszuziehen sein, muss andererseits aber einen stabilen Sitz gewährleisten, damit durch die führende Bewegung des Beckens die Steuerung des Knie- und Hüftgelenks möglich ist.
Jährlich werden von uns mehrere Hüftexartikulationsprothesen gebaut, und wir sind stolz darauf, dass die drei in 2006 versorgten Versicherten der gesetzlichen Unfallversicherung (GUV) heute wieder im Berufsleben stehen.
Schaftsysteme
Oberschenkelschäfte
M.A.S.-Schaft
Der M.A.S.-Schaft ist eine - mittlerweile auch nicht mehr ganz neue - Entwicklung des Mexikaners Marlo Ortiz. Der M.A.S.-Schaft stellt eine konsequente Weiterentwicklung der längsovalen Schaftformen dar, der durch eine geänderte Schaftgestaltung mehr Bewegungsfreiheit, Führung und Komfort bietet.
Der Schaft wird in unserem Hause sowohl für Neuamputierte in der Definitivversorgung als auch für erfahrene Prothesenträger bei entsprechender Indikation angeboten. Die Erfahrungen zeigen, dass diese Schaftform nicht uneingeschränkt empfohlen werden kann, da sie höhere Anforderungen an den Anwender stellt. Die Entscheidung für oder gegen einen M.A.S.-Schaft wird im Einzelfall getroffen.
Längs- und querovale Schäfte
Der Oberschenkelschaft in längsovaler Technik ist nach aktuellem Wissensstand die Schaftversorgung der Wahl. Diese basiert auf der Basis hydrostatischer Druckverteilung sowie Einbettung des Sitzbeines (Tuber-Os-Ischii). Dies erhöht für den Prothesenträger sowohl die Steuerungsmöglichkeit als auch den Tragekomfort.
Der Schaft wird bei uns in Verbindung mit einem Liner oder einem individuellen Silikoninlay gefertigt.
Der Oberschenkelschaft in querovaler Technik ist zwar eine qualitativ ausreichende Versorgung und je nach physiologischer Voraussetzung auch heute noch indiziert, wird jedoch aufgrund seiner suboptimalen biomechanischen Eigenschaften nur noch in seltenen Fällen angewendet.
Auch der längsovale Schaft wird bei uns in Verbindung mit einem Liner oder einem individuellen Silikoninlay gefertigt.
Vergleich von Versorgungen: Links problematische Weichteilsituation, rechts eine anatomisch bessere Lösung.
Im Bild links eine problematische Versorgung, bei der die Weichteile nicht vollständig in den Schaft integriert sind. Rechts das Bild eines von uns gefertigten Gipsmodells. Deutlich zu sehen ist die vollständige Aufnahme des vorher bestehenden Weichteilüberhangs.
Unterschenkelschäfte
Standard-Schaft
Bei der herkömmlichen Schafttechnik (Schaft-in-Schaft-Technik) wird eine Kombination aus hartem Aussenschaft und Weichwandinnentrichter verwendet. Der Weichwandinnentrichter ermöglicht eine leichtere Anpassung des Schaftes bei Stumpfvolumensänderungen.
Silikon-Haftschaft (SHS)
Beim Silikon-Haftschaft wird zusätzliche zur Schaft-in-Schaft-Technik ein Liner verwendet, der in dem harten Aussenschaft getragen wird. Bei derartigen Versorgungen erfolgt die Anbindung über ein Verschlußsystem (Clutch-Lock, Shuttle-Lock) oder aber über ein Vakuum (Seal-In oder Harmony) als Unterdrucksystem mit Kniekappe.
Mobilitätsgrade
Die Auswahl individueller prothetischer Passteile geschieht auf Grundlage des jeweiligen Mobilitätsgrades. Deshalb hier eine kleine Übersicht über die vier Mobilitätsgrade mit den jeweiligen Kurzbeschreibungen.
Mobilitätsgrad 1: Innenbereichsgeher
Langsame gleichmäßige Geschwindigkeit, ebenes Terrain, teilweise auf Hilfe angewiesen,
evtl. Gehhilfen.
Ziel: Erreichung oder Sicherstellung einer limitierten Geh- und Stehfähigkeit im
Innenbereich.
Mobilitätsgrad 2: Eingeschränkter Außenbereichsgeher
Gleichmäßige Geschwindigkeit, vorwiegend ebenes Terrain, selbständiges Handling.
Ziel: Erreichung oder Sicherstellung einer limitierten Geh- und Stehfähigkeit
im Innen- und Außenbereich.
Mobilitätsgrad 3: Uneingeschränkter Außenbereichsgeher
Variable Geschwindigkeit, wechselndes Terrain, höhere Beanspruchung).
Ziel: Erreichung oder Sicherstellung einer unwesentlich limitierten Geh- und
Stehfähigkeit im Innen- und Außenbereich.
Mobilitätsgrad 4: Uneingeschränkter Außenbereichsgeher mit besondern Anforderungen
Variable Geschwindigkeit, wechselndes Terrain, höchste Beanspruchung.
Ziel: Unlimitierte Geh- und Stehfähigkeit im Innen- und Außenbereich unter
Berücksichtigung individueller Erfordernisse.
Beispielkonfigurationen


Referenzversorgungen
