Verbrennungen
Die folgenden Informationen sind der Verbrennungsbroschüre entnommen, die in Zusammenarbeit von Herrn Dr. med. B. Hartmann, Unfallkrankenhaus Berlin, Frau Dr. med. I. Jester, Universitätsklinikum Mannheim gGmbH und Herrn Chr. Hartz, EproTec GmbH mit der Fa. Juzo entstanden ist.
Grundlegende Informationen
Die Haut erfüllt wichtige Aufgaben
für die Aufrechterhaltung
der Vitalfunktionen -
eine Schädigung dieses größten
Organs des menschlichen Körpers
kann daher fatale gesundheitliche
Folgen haben und im Extremfall
lebensbedrohlich sein.
Durch thermische, aber auch
durch chemische und physikalische
Einwirkungen kommt es zu
Gewebeschädigungen.
Besonders gefährlich sind alle
großflächigen Verletzungen der
Haut. Das gilt in erster Linie für
Verbrennungen und Verbrühungen,
da diese oft große Körperareale
betreffen und selbst tiefe Hautschichten
schädigen können.
Allein in Deutschland erleiden pro Jahr 12.000 Menschen, darunter ca. 7.000 Kinder, schwere Brandverletzungen. Bis zu 1.400 müssen in den hoch spezialisierten Brandverletztenzentren intensivmedizinisch versorgt werden.
Tiefengrade von Verbrennungen und Verbrühungen
Höhe der Temperatur, Dauer der
Hitzeeinwirkung, Leitfähigkeit des
Gewebes sowie die Art der eingeleiteten
Erste-Hilfe-Maßnahmen
beeinflussen das Ausmaß der
Verbrennung oder Verbrühung.
Der Grad einer thermischen
Verletzung wird nach Größe der
verbrannten bzw. verbrühten
Oberfläche und der Tiefe der
Schädigung bestimmt.
Verbrennungs- und Verbrühungswunden
werden in vier Tiefengrade
eingeteilt:
Grad I
Rötung und Schwellung der Haut,
z. B. Sonnenbrand.
Grad II a
Rötung und Schwellung der Haut,
Blasenbildung, Schmerzen:
Schädigung der Epidermis, die
sich als dünnwandige Blase
abhebt.
Grad II b
Weißliche Blässe und Schwellung
der Haut, Blasenbildung,
Schmerzen:
Schädigung bis in
tiefe Schichten der Dermis.
Grad III
Lederartige Hautgebiete,
weiß, grau oder schwarz verfärbt,
reduzierte Schmerzen durch
Zerstörung der Nervenenden,
komplette Zerstörung der
Epidermis und Dermis (Nekrosen)
und Schädigung der Subcutis.
Entstehung von Narben
Die Wundheilung nach Verbrennungen und Verbrühungen verläuft nach demselben Prinzip wie bei anderen Hautverletzungen. Oberflächliche thermische Verletzungen ersten und zweiten Grades (IIa) heilen in der Regel ohne Narben innerhalb von 14 Tagen ab. Bei tieferen Verletzungen der Haut ist diese narbenfreie Spontanheilung nicht mehr möglich, da hier die Schicht der Zellneubildung zerstört ist.
Der Körper versucht bei tiefen
Verbrennungen und Verbrühungen
den Hautdefekt vom Wundrand
her langsam zu schließen. Hierzu
bildet er neues Gewebe, das so
genannte Granulationsgewebe.
Ist die Wunde geschlossen, setzt
häufig nach drei bis vier Wochen
ein "Überwuchern" der Wunde
ein. Die Bindegewebsstränge
verdichten und verhärten sich
und schrumpfen schließlich -
eine Narbe hat sich gebildet.
Verläuft das Wachstum der
Bindegewebszellen ungeordnet,
können auch hyperthrophe
Narben und Keloide entstehen
Narben sind nicht nur ein ästhetisches Problem, sondern können durch die Verdickungen und Verhärtungen zu Bewegungseinschränkungen, Gelenkfehlstellungen und schlimmstenfalls zur Unbeweglichkeit (Immobilität) ganzer Gliedmaßen führen. Darüber hinaus kommt es häufig zu Missempfindungen und Juckreiz. Der Umwandlungsvorgang des Narbengewebes (Narbenreife) kann bis zu zwei Jahre nach dem Wundverschluss andauern.
Narbentherapie und Kompressionsversorgung
Für eine möglichst ästhetische Narbenabheilung ohne funktionelle Einschränkungen ist ein gleichmäßiger Druck auf die betroffenen Körperstellen erforderlich, wie er nur durch die so genannte Kompressionstherapie erzielt werden kann.
Durch die Kompressionsversorgung wird dieser therapeutisch wirksame Druck auf den Wundbereich erreicht, der den übermäßigen und ungeordneten Bindegewebsumbau verhindert. Die in die Wunde sprossenden faserigen Bindegewebszellen ordnen sich dadurch gleichmäßig an, nämlich parallel zur Wundbzw. Hautoberfläche.
Der konstante Oberflächendruck der Kompressionskleidung lässt das Narbenareal schneller heilen. Bereits nach kurzer Zeit verändert sich die Konsistenz der erhabenen Narbe, das Narbengewebe wird weicher. Es kommt zu einem Abblassen des rötlichen Narbengewebes und zu einer Verringerung der Narbendicke. Zudem werden Narbenschrumpfungen und daraus resultierende Gelenkversteifungen sowie lästiger Juckreiz gemindert.
Durch unsere langjährige intensive Zusammenarbeit mit einem der größten Brandverletzten-Zentren in Europa, dem Unfallkrankenhaus Berlin, und der Kooperation mit Industriepartnern ist es uns gelungen, einerseits viele Erfahrungen und Know-How auf dem Gebiet der Narbentherapie zu sammeln, die wir auch in Studien evaluiert haben.
Bei Fragen oder wenn Sie eine Beratung wünschen wenden Sie sich bitte an die Kollegen der Kompressionsabteilung.
